Gärung beim Bierbrauen – Alles, was du wissen musst
Was passiert während der Gärung?
Bei der Gärung verwandelt die Bierhefe den Zucker in der Würze in Alkohol und Kohlensäure. Dieser Prozess ist das Herzstück des Bierbrauens – hier entsteht das, was wir später als Bier genießen. Damit alles klappt, sind Ruhe, Hygiene und die richtige Temperatur entscheidend.
So gehst du vor – Schritt-für-Schritt zur gelungenen Gärung
- Würze abkühlen: Nach dem Kochen muss die Würze auf ca. 18–22 °C abkühlen, bevor die Hefe zugegeben wird.
- Trockenhefe rehydrieren (empfohlen!): Um die Hefe optimal zu aktivieren, solltest du sie vorab in Wasser auflösen. So geht’s:
- Verwende sauberes Wasser mit ca. 25–30 °C (kein Zucker oder Würze).
- Hefe vorsichtig auf die Wasseroberfläche streuen – nicht umrühren.
- Nach 10 Minuten leicht umrühren und weitere 10–15 Minuten stehen lassen.
- Jetzt ist die Hefe aktiv und bereit für die Zugabe zur Würze.
- Hefe zugeben (Anstellen): Die rehydrierte Hefe gleichmäßig in die Würze geben.
- Gärbehälter verschließen: Der Gäreimer wird mit Deckel und Gärspund luftdicht verschlossen. Ideal geeignet: Gäreimer 30 Liter komplett.
- Gärung beginnen lassen: Stelle den Gärbehälter (z. B. aus unserer Kategorie Gärbehälter) an einen dunklen Ort mit konstanter Temperatur (je nach Hefe 18–22 °C für obergärige Biere).
Was du während der Gärung beachten solltest
- Gärbehälter nicht öffnen! Sauerstoff und Keime können das Bier verderben.
- Gärspund beobachten: Blubbert es? Dann ist die Gärung aktiv.
- Keine Hektik: Die Hauptgärung dauert meist 5–10 Tage. Danach folgt die Nachgärung (Reifung).
- Temperatur stabil halten: Schwankungen hemmen die Hefe.
- Ruhe bewahren: Keine Erschütterung oder ständiges Nachschauen – das stört die Gärung.
Die Gärung startet nicht – was tun?
Wenn nach 24–36 Stunden noch keine Aktivität sichtbar ist (kein Blubbern im Gärspund), prüfe Folgendes:
- Temperatur zu niedrig? Stelle den Gärbehälter etwas wärmer (z. B. in die Nähe einer Heizung).
- Hefe alt oder überlagert? Dann hilft nur frische Hefe – im Idealfall eine Nachgabe. Schau dazu in unsere Auswahl an Bierhefen.
- Zu wenig Sauerstoff? Die Würze vor dem Anstellen kurz durchrühren oder aufschütteln (nur vor Hefegabe!).
- Messfehler? Manchmal blubbert der Gärspund nicht, obwohl Gärung stattfindet. Miss mit der Spindel nach 2 Tagen (siehe Stammwürze messen).
Die Gärung dauert zu lange – was kann ich tun?
Normalerweise ist die Hauptgärung nach spätestens 10 Tagen abgeschlossen. Wenn es länger dauert:
- Temperatur zu niedrig? Ein Anheben auf 20–22 °C kann helfen.
- Gärbehälter gut verschlossen? Zu viel Luftkontakt kann die Gärung bremsen oder zu Fehlaromen führen.
- Geduld! Besonders bei untergärigen Bieren kann es länger dauern. Auch alte oder wenig aktive Hefe braucht mehr Zeit.
Wie erkenne ich, dass die Gärung abgeschlossen ist?
- Kein Blubbern mehr im Gärspund.
- Der Spindelwert (Endvergärungswert) ist an 2 aufeinanderfolgenden Tagen gleich. ➤ So misst du richtig
- Das Bier beginnt sich zu klären.
Was passiert nach der Gärung?
Nach der Hauptgärung folgt die Nachgärung (Reifezeit). Hier reift das Bier weiter und entwickelt seine Aromen. Wichtig ist:
- Jetzt darfst du umfüllen oder abfüllen – möglichst ohne Sauerstoffkontakt.
- Karbonisierung: Gib z. B. 5 g Zucker pro Liter für die Flaschengärung hinzu.
- Danach das Bier kühl und dunkel für mehrere Wochen lagern.
Fazit: Ruhe, Hygiene & Temperatur sind der Schlüssel
Die Gärung ist ein empfindlicher, aber gut kontrollierbarer Prozess. Wenn du deine Würze sorgfältig anstellst, den Gärbehälter in Ruhe lässt und auf die Temperatur achtest, gelingt dir ein wunderbares Bier. Wenn doch mal etwas nicht läuft – keine Sorge, die meisten Fehler sind leicht zu beheben.
Weitere Tipps findest du in unserer Übersicht zu Braufehlern oder in der gesamten Wissenswelt. Oder schreib uns – wir helfen dir gerne weiter!
FAQ: Häufige Fragen zur Gärung
Wie lange dauert die Gärung?
Die Hauptgärung dauert in der Regel 5–10 Tage. Danach folgt die Reifung (Nachgärung), die je nach Bierstil 2–6 Wochen dauern kann.
Welche Temperatur ist ideal für die Gärung?
Für obergärige Biere (z. B. Weizen, Pale Ale): 18–22 °C
Für untergärige Biere (z. B. Lager, Pils): 8–12 °C, aber längere Gärdauer.
Woran erkenne ich eine gelungene Gärung?
Die Hefe bildet Schaum (Krausen), der Gärspund blubbert regelmäßig und die Würze wird nach einigen Tagen heller und klarer. Nach dem Ende der Gärung ist der Spindelwert stabil.
Was mache ich, wenn sich Schimmel im Gärbehälter bildet?
Leider hilft dann meist nur: entsorgen. Schimmel kann gesundheitsgefährdend sein. Hygiene ist extrem wichtig!
Kann ich die Gärung durch Rühren beschleunigen?
Nein! Während der Gärung sollte der Behälter nicht bewegt oder geöffnet werden. Die Hefe arbeitet am besten in Ruhe.
Der Gärprozess auf einen Blick
Tag 0: Anstellen der Hefe, Gärbehälter schließen
Tag 1–2: Erste Gäraktivität – Gärspund beginnt zu blubbern
Tag 3–6: Starke Hauptgärung – Hefe bildet Schaum (Krausen)
Tag 7–10: Gärung verlangsamt sich, Spindelwert überprüfen
Tag 10–14: Nachgärung (Reifung beginnt), Bier wird klarer
Woche 3–6: Flaschenreifung und Karbonisierung – fertig zum Genießen 🍻